10 Originalgedichte
Lustige Gedichte zum Kollegenabschied
Zehn neue Originalgedichte für den Kollegenabschied – von der schnellen Karte bis zum leisen Moment nach der letzten gemeinsamen Schicht.
Ein Kollegenabschied passt selten auf einen einzigen Satz. Zwischen letzter Übergabe, Kuchen im Aufenthaltsraum und dem halb ernsten Wunsch, die Passwörter möge niemand vergessen, liegen Dankbarkeit, Unsicherheit und eine Menge gemeinsamer Kleinigkeiten.
Diese zehn neuen Originalgedichte setzen genau dort an: bei der Karte, der kurzen Rede, dem Umzug in ein anderes Team oder dem stillen Nachhall nach Feierabend. Manche Texte sind leicht und trocken, andere lassen offen, was als Nächstes kommt. Keiner verspricht, dass alles besser wird. Jeder findet einen eigenen Ton für das, was bleibt.
Für die Karte zwischen zwei Terminen
Kurze, direkt verwendbare Texte für den unmittelbaren Abschied mit Wärme und trockenem Bürohumor.
Die Übergabebox
Kurztext für eine Karte mit Dank, kleinen Sticheleien und offenem Ausgang
In die Box legen wir
zwei gute Gründe,
dich zu vermissen,
einen Witz mit schwachem Ende
und die Liste,
die du immer gefunden hast,
obwohl niemand wusste,
wer sie angelegt hatte.
Nimm den Schlüssel,
nimm die Schokolade,
nimm meinetwegen
auch den letzten brauchbaren Stift.
Nur den Satz
„Das machen wir später“
lass hier.
Er gehört inzwischen
zum Inventar.
Kurze Zeilen für die Kantine
Knappes Gedicht für eine kleine Karte am gemeinsamen Mittagstisch
Du gehst – der Nachtisch bleibt,
zum Glück kennt er noch deinen Namen.
Wir teilen die Rechnung
und den Platz, an dem du immer
zu spät, aber richtig saßt.
Mach’s gut im neuen Haus.
Und falls dort jemand fragt:
Wer kann das lösen?
Sag nicht sofort Bescheid.
Randnotiz im Protokoll
Listenartige Karte für einen Abschied mit sachlichem Humor
Festgehalten wird:
Du hast montags funktioniert,
freitags sogar freiwillig.
Festgehalten wird:
Du kanntest die Abkürzung,
den Drucker,
die Ausrede für drei Minuten Verspätung.
Nicht festgehalten wird:
wer jetzt merkt,
dass eine Frage manchmal
schon halb gelöst ist,
wenn du sie nur laut vorliest.
Nachtrag:
Dein Name bleibt
in mindestens vier alten Dateien.
Das ist keine Drohung.
Nur Bürogeschichte.
Wenn der Übergang schon begonnen hat
Konkrete Szenen aus Teamwechsel, Homeoffice, neuer Stelle und ambivalentem Aufbruch.
Der Flur mit den zwei Zeiten
Ambivalentes Gedicht für einen Wechsel, der nicht nur leichtfällt
Im Flur stehen noch deine Schuhe,
obwohl du längst im neuen Team sitzt.
Nicht wirklich dort,
noch weniger hier.
Jemand hat deinen Zugang gesperrt,
jemand anderes schickt dir
zum Abschied eine Datei
mit dem Betreff: dringend.
Wir lachen darüber,
weil Lachen schneller ist
als eine Antwort.
Du sagst, es sei gut so.
Ich glaube dir.
Ich glaube dir nicht ganz.
Beides passt in diesen Dienstag,
zwischen Kaffeemaschine
und dem Raum,
der plötzlich zu groß wirkt.
Notizen aus dem neuen Team
Humorvoller Text für einen Wechsel mit unbekannten Regeln
Erste Notiz:
Hier sagt man nicht „kurz abstimmen“,
sondern „synchronisieren“.
Zweite Notiz:
Der Kopierer steht neben einer Tür,
die nur aufgeht,
wenn man freundlich bleibt.
Dritte Notiz:
Niemand kennt deinen Kaffeebecher.
Das ist traurig,
aber auch eine Form von Freiheit.
Vierte Notiz:
Du hast heute zweimal genickt,
obwohl du nichts verstanden hast.
Sehr professionell.
Fünfte Notiz:
Am Abend weißt du noch nicht,
ob du angekommen bist.
Aber du weißt,
wo die Kekse liegen.
Zeilen für den neuen Schreibtisch
Kurzes Abschiedsgedicht für eine Ansprache oder Karte
Am neuen Tisch steht noch kein Kratzer,
kein Zettel sagt: Du warst schon da.
Dafür gibt’s WLAN, einen Rechner
und hoffentlich auch Menschen mit Humor.
Wir wünschen dir nicht Gold und Glanz,
nur einen Stuhl, der nicht wackelt.
Und wenn der erste Tag dich nervt:
Tu so, als wärst du nur falsch abgebogen.
Die letzte Liste vor dem Feierabend
Prosagedicht für eine Übergabe mit Entlastung und kleiner Überforderung
Du schreibst zwölf Punkte auf. Punkt eins: Schlüssel abgeben. Punkt zwei: nichts vergessen. Punkt drei bleibt leer, weil dir plötzlich einfällt, dass man die wichtigen Dinge nicht abhakt. Du hast sie in Sätzen gesammelt, in Blicken über Bildschirme hinweg, in dem Geräusch, das jemand macht, wenn eine Präsentation zum dritten Mal abstürzt und trotzdem noch Hoffnung besteht.
Am Ende nimmst du nur deine Tasse mit. Sie ist zu klein für die Jahre, aber groß genug für den Weg bis zum Auto. Die Liste bleibt auf dem Tisch. Morgen wird jemand Punkt drei ausfüllen. Oder eine neue Liste beginnen.
Was nach dem letzten gemeinsamen Tag bleibt
Ruhigere Texte über Erinnerung, Lücke und die unspektakuläre Fortsetzung des Alltags.
Der Ton im Telefon
Leiser Nachhall für einen Abschied, der im Alltag weiterklingt
Heute klingelt dein Name nicht mehr.
Nur irgendeine Nummer,
die sich verwählt hat
und trotzdem kurz bleibt.
Im Teamchat steht eine Frage,
die niemand beantworten will,
weil du sie sonst gelesen hättest
mit diesem trockenen Zusatz:
„Das ist vermutlich einfacher,
als wir denken.“
Am Nachmittag rückt jemand
den Stuhl ein Stück zurück.
Nicht aus Trauer.
Er stand im Weg.
Aber für einen Moment
ist die Bewegung deine.
Inventar eines fehlenden Lachens
Ruhiges Listengedicht über eine bemerkbare, aber nicht erklärte Lücke
Ein leerer Betreff.
Ein Witz ohne Publikum.
Die Tür zum Besprechungsraum
schließt diesmal leiser.
Ein Satz, den niemand beendet,
weil alle wissen,
wie du ihn beendet hättest.
Drei neue Namen
im Verteiler.
Zwei davon sprechen gern.
Einer bringt Kuchen.
Das Büro wird nicht still.
Es wird nur anders laut.
Und irgendwo zwischen zwölf Uhr
und dem nächsten Termin
merkt jemand,
dass Vermissen keine Aufgabe ist,
die man delegieren kann.
Am Fenster der Übergabe
Schlichtes Schlussgedicht für eine Karte mit direkter Anrede
Wir haben dir alles erklärt,
was man erklären konnte:
wo die Dateien liegen,
wer bei Zahlen nervös wird,
welche Tür klemmt
und dass der Drucker nur arbeitet,
wenn niemand zusieht.
Den Rest musst du selbst herausfinden.
Vor allem das Passwort,
das angeblich alle kennen.
Du gehst mit deinen Fragen,
wir bleiben mit unseren
und einer halb geöffneten Datei,
die bestimmt ganz harmlos ist.
Vielleicht sehen wir uns wieder,
vielleicht nur auf einem Foto,
auf dem der Kuchen schärfer ist als wir.
Mach’s gut, Kollegin.
Nicht weil alles leicht wird.
Sondern weil du schwierige Tage
mit einem brauchbaren Witz
und notfalls einem Neustart
überstehst.