10 Originalgedichte
Lustige Gedichte zur Hochzeit
Zehn neue Originalgedichte für Karten, Ansprachen und Feiern: mal pointiert, mal zärtlich, immer mit einem Blick für die kleinen Pannen des gemeinsamen Lebens.
Eine Hochzeit darf feierlich sein und trotzdem über eine vergessene Tischkarte, zwei linke Schuhe oder die komplizierte Frage nach dem letzten Stück Torte lachen. Diese Originalgedichte sprechen Paare offen an, ohne starre Rollen zu verteilen. Sie passen auf eine Karte, in eine Rede oder an den Rand des Festes, wo gerade niemand nach großen Worten verlangt.
Die Sammlung beginnt mit kurzen Texten für den schnellen Einsatz, wird danach genauer und szenischer und endet mit Gedichten, die sich gut vorlesen lassen. Der Humor bleibt freundlich, aber nicht geschniegelt: Manches stolpert, manches widerspricht, manches lässt eine Frage stehen.
Für Karte und Feier
Kurze, gut einsetzbare Gedichte für Glückwunschkarten, Tischreden und spontane Momente während der Feier.
Die große kleine Ordnung
Ein kurzer Glückwunsch über Pläne, die erst gemeinsam brauchbar werden
Ihr habt nun zwei Zahnbürsten,
vermutlich auch zwei Pläne.
Der eine führt zum Bahnhof,
der andre in die Küche.
Wenn einer von beiden
heute nicht mehr stimmt,
war das kein Fehlstart,
sondern schon Teamarbeit.
Die Tischordnung
Ein spielerischer Vierzeiler über Sitzplätze, Verwandtschaft und freie Entscheidung
Man setzt euch heute nebeneinander,
das ist der erste gute Plan.
Der Rest ergibt sich irgendwann –
notfalls schiebt jemand einen Tisch heran.
Beim Unterschreiben
Ein knapper Text für den Augenblick, in dem aus Aufregung ein gemeinsamer Eintrag wird
Die Hand ist festlich,
der Stift ist nervös.
Ein Buch wartet auf eure Namen.
Ihr wisst längst,
wer von euch die Formulare liest
und wer den Stift sucht.
Heute steht beides dort:
Lesbarkeit und Glück.
Gemeinsamer Alltag
Szenische Gedichte über die kleinen Verhandlungen, Eigenheiten und komischen Erfolge, die nach dem Fest weitergehen.
Das letzte Stück
Eine Alltagsszene für Paare, die beim Teilen nicht immer sofort edel wirken müssen
Es ist das letzte Stück.
Natürlich sagt niemand etwas.
Der Teller steht genau zwischen euch,
als wäre er neutral.
Du holst zwei Gabeln.
Ich sage: Nimm du.
Du sagst: Wirklich?
Ich sage: Natürlich.
Dann klingelt das Telefon.
Wir gehen beide nicht ran.
Das Stück bleibt liegen,
eine kleine Demokratie
mit Schokoladenrand.
Später schneiden wir es durch.
Nicht gleich groß.
Aber gleich ernst.
Haushaltsgespräch mit Beilage
Ein Listengedicht über die Dinge, die in einer Ehe erstaunlich viel Aufmerksamkeit bekommen
Wir versprechen einander:
den Einkaufszettel nicht zu verlieren,
aber auch nicht blind zu befolgen;
bei offenem Fenster nicht sofort
von Schuld zu sprechen;
zu prüfen, wer den letzten Kaffee nahm,
und wer nur die Tasse stehen ließ;
bei Meinungsverschiedenheiten
mindestens einmal zu fragen:
Hast du Hunger?
Und falls ja:
Erst essen.
Dann Weltordnung.
Zwei Meinungen und ein Regal
Ein humorvoller Text über Geschmack, Raum und die erstaunliche Größe kleiner Entscheidungen
Ihr besitzt jetzt ein Regal,
das keiner von euch bestellt hat.
Es steht schief,
aber mit Überzeugung.
Auf der linken Seite wohnen Bücher,
die man bald lesen will.
Auf der rechten stehen Dinge,
die man irgendwann repariert.
In der Mitte bleibt Platz
für den Satz:
Das können wir später entscheiden.
Später kommt.
Mit einem Akkuschrauber,
zwei Meinungen
und einer sehr überzeugenden Wasserwaage.
Die Fernbedienung bleibt verschwunden
Eine kleine Komödie über die tägliche Suche nach dem Gegenstand, den beide zuletzt gesehen haben
Ihr sucht sie unter dem Kissen,
zwischen den Zeitungen,
auf dem schmalen Regal,
wo sie niemals lag.
Ihr befragt den Hund nicht,
aber nur aus Höflichkeit.
Ihr durchsucht die Jackentaschen,
obwohl heute niemand draußen war.
Dann findet ihr sie:
unter einem Buch,
das keiner von euch liest.
Ihr seht euch an.
Das ist kein Beweis.
Aber ein ziemlich gutes Eheleben.
Festlich ohne Pathos
Vorlesbare Schlussstücke für den Moment, in dem der Saal ruhiger wird und ein Glückwunsch etwas länger nachklingen darf.
Die Rede hat einen Knick
Ein Vorlesetext für eine Ansprache, die ihre Wirkung gerade durch kleine Unterbrechungen gewinnt
Ich hatte mir vorgenommen,
heute klug zu sprechen.
Mit Anfang, Mitte, Ende,
mit einem Satz, der hängen bleibt.
Dann sah ich euch dort sitzen,
nebeneinander und doch nicht gleich,
beide mit diesem Blick,
der sagt: Wir wissen es auch nicht genau.
Das ist vielleicht der brauchbarste Anfang.
Nicht alles wissen.
Nicht alles planen.
Trotzdem den Schlüssel teilen,
die falsche Abzweigung nehmen,
über denselben schlechten Witz lachen.
Und wenn morgen jemand fragt,
wie es weitergeht,
sagt ihr hoffentlich nicht:
Wir haben einen Plan.
Sagt lieber:
Wir sehen nach.
Zusammen.
Nach dem Fototermin
Ein ruhiges Gedicht über das Ende der gestellten Bilder und den Beginn des echten Abends
Die Kamera hat genug gesehen.
Die Schultern dürfen sinken.
Jemand trägt die Blumen,
jemand sucht den eigenen Mantel,
jemand hat den Namen der Tischnachbarin vergessen
und lacht darüber nicht zu laut.
Ihr steht noch im Hof,
zwischen zwei Türen,
mit Schuhen, die festlich aussehen
und sich nicht so anfühlen.
Drinnen wartet Musik.
Draußen wird es kühler.
Ihr müsst nichts darstellen.
Ihr seid schon da.
Eine Person hält den Saum,
die andere die Tasche.
Dann geht ihr hinein,
als wäre genau das
heute die wichtigste Choreografie.
Zwei Stimmen am Morgen
Ein gut sprechbarer Schluss über den ersten Morgen nach der Feier, ohne große Versprechen
Am Morgen ist der Saal verschwunden,
die Blumen stehen schief,
und irgendwo liegt ein Namensschild,
das niemand mehr braucht.
Eine Stimme fragt:
Kaffee?
Die andere sagt:
Unbedingt.
Dann zählt ihr langsam auf,
was gestern nicht geklappt hat:
Der falsche Walzer,
der zu frühe Applaus,
die Torte mit einer eigenen Meinung.
Ihr zählt auch auf,
was geblieben ist:
vier leere Gläser,
ein müder Blick,
ein Lachen im Flur,
die Hand auf dem Tisch.
Ihr müsst euch nicht versprechen,
dass alles leicht wird.
Nur, dass ihr wieder fragt:
Kaffee?